3 Monate hier!

Lange habt ihr nun nichts mehr von mir gehört…was dem bedauerlichen Ableben meines Laptops geschuldet ist! Ausgerechnet an dem Tag, an dem ich einen neuen Beitrag hochladen wollte, gab er aus heiterem Himmel den Geist auf und nach ordentlicher Begutachtung im Fachgeschäft hieß es, er kann leider nicht repariert werden. Mitte Januar erreicht mich hier ein anderer Laptop aus Deutschland, dann kann ich wieder regelmäßig Beiträge posten! Gerade sitze ich am Office-Laptop der Mpelege-Creche, den wir über dieses Wochenende ausleihen durften. Eigentlich brauchen wir ihn, um Zertifikate für die anstehende Graduation vorzubereiten, aber ich nutze die Gelegenheit, um jetzt nach langer Zeit mal wieder zu schreiben.

 Genug Gerede über meine technischen Probleme hier, es gibt Spannenderes zu erzählen. Es ist viel passiert, seit meinem letzten Beitrag sind schließlich über 2 Monate vergangen!

 Im Arbeitsalltag ist schon seit einiger zeit Routine eingekehrt. Wir haben die Creche-Teacher besser kennenlernen können und ich habe das Gefühl, obwohl alle von Anfang an wirklich nett waren, dass vor allem in der Mpelege-Creche die Beziehung zu den Erzieherinnen immer besser und irgendwie entspannter wird. Außerdem kann ich mittlerweile schon von vielen Kindern die Namen und ein Großteil der Kids kennt nun auch meinen und Jannes Namen! Laut Aussprache der Kinder heißen wir zwar einfach “Maleea” und “Jande”, aber es ist einfach toll zu hören, wie sie sich an unsere Namen gewöhnen und uns nicht mehr nur “Legoa” (=“Weisser”) nennen! Obwohl es mit den großen Gruppen nicht einfach ist zu organisieren, versuchen wir so gut es geht, kreativ zu sein. Wir malen mit Buntstiften, Wachsmalstiften und Wasserfarben, außerdem haben wir schon gestempelt und einfache Halsketten mit leeren Klopapierrollen kreiert und Giraffenmasken gebastelt. Anfang Dezember findet die Graduation statt, die ich oben schon angesprochen habe. Das ist sozusagen der feierliche Übergang vom Kindergarten in die Schule. Die Kinder üben dafür schon seit Langem Tänze und kleine Theaterstücke. Die Graduation wird hier groß gefeiert, dafür organisiert der Kindergarten extra eine Location und die ganze Familie wird anwesend sein. Die Kinder bekommen dort ihr Graduation-Zertifikat überreicht, dass belegt, dass sie erfolgreich die unterste Bildungsstufe abgeschlossen haben und jetzt bereit für die Schule sind. Janne und ich haben in der Mpelege-Creche schon Bilder von den Kindern gemacht (sie wurden dafür sogar in ein Talar-Gewand gesteckt, was echt lustig aussieht!) und werden über das Wochenende die dazugehörigen Urkunden gestalten. Wir sind bei den Graduation-Feiern beider Creches eingeladen und ich bin natürlich schon ganz gespannt darauf!

 Seit Mitte September wohnen zwei weitere Freiwillige aus Deutschland bei uns, die auch über das DSJW hier in Südafrika sind. Die zwei Mädels, Emma und Franziska, arbeiten in den Kindergärten in Swartruggens und bleiben beide jeweils für 3 Monate hier. Wir verstehen uns gut mit ihnen und werden traurig sein, wenn die beiden Mitte Dezember wieder zurück nach Deutschland fliegen. Es ist interessant, von deren Arbeit zu erfahren, denn in den Creches in Swartruggens sind weniger Kinder und es herrschen geordnete Strukturen. Dort ist es möglich, mit den Kindern jeden Tag zu basteln und zum Beispiel Themenwochen zu organisieren. Irgendwie wünsche ich mir das für unsere Kindergärten in Borolelo auch. Manchmal ist es frustrierend, so viele Kinder auf einmal um sich zu haben und es wäre vor allem auch im Interesse der Kinder, gäbe es kleinere Gruppen. Man könnte sich dann viel intensiver mit jedem einzelnen Kind beschäftigen, aber die Gegebenheiten sind nun mal nicht zu ändern.

 Freizeitmäßig ist ebenso einiges geschehen:

Ende September war ich zusammen mit ein paar anderen Freiwilligen in der Hauptstadt Südafrikas, in Pretoria. Wir besuchten dort andere deutsche Freiwillige, die uns ein bisschen die Stadt zeigten. Außerdem erlebten wir dort den Heritage Day, ein landesweiter Feiertag in Südafrika, an dem die Menschen ihre Herkunft feiern was mit viel Kultur und Tradition verbunden ist. Wir feierten den Heritage Day in einem Projekt der Freiwilligen dort, die uns eingeladen hatten, mitzukommen. Es drehte sich hauptsächlich um die Verkostung von traditionellem Essen. Es waren Kinder und Erwachsene anwesend und die meisten waren traditionell und bunt gekleidet. Eigentlich wollten wir als unbekannte Gäste mehr oder weniger unauffällig alles von hinten beobachten, aber da haben wir die Rechnung glatt ohne den Pastor gemacht, der das Fest moderierte. Wir mussten uns alle vorstellen und dazu auch gleich noch ein Lied vorsingen. Als wir uns (endlich) hinsetzen durften dauerte es nicht lange und ich wurde nach vorne gebeten, um eine Art Grießbrei mit Joghurt und Zucker zu probieren. Nachdem ich den Geschmack kommentiert hatte, war übrigens sehr lecker, durfte ich wieder zurück auf meinen Platz. Doch die Ruhe währte nicht lange, denn gute 15 Minuten später fand ich mich mit drei anderen Freiwilligen auf der Bühne wieder und wurde aufgefordert, zu afrikanischer Musik zu tanzen. Wir schüttelten uns ein paar unbeholfene Tanzmoves aus dem Ärmel und es sah (zumindest was mich betrifft) schrecklich aus, das kann ich euch versichern, aber die Leute fanden unsere Tanzeinlage super und schenkten uns einen begeisterten Applaus! So viel Aufmerksamkeit musste ich danach erst einmal verdauen, aber im Nachhinein hat es großen Spaß gemacht und war eine lustiger Tag, den ich nicht missen möchte!

 Anfang Oktober hatten wir eine Woche Ferien, die wir nutzten, um ein bisschen die Umgebung zu erkunden. Wir verbrachten zwei Nächte in Johannesburg und danach gingen wir im Pilanesberg Nationalparc campen. Dort unternahmen wir einen geführten Gamedrive und fuhren zusätzlich noch zwei mal auf eigene Faust mit unserem Mietauto in den Park. Der Aufenthalt in Pilanesberg hat sich wirklich gelohnt, denn wir haben die Big Five gesehen, Nashorn, Elefant, Giraffe, Büffel und Leopard!

 Es ist beeindruckend, wie schnell die Zeit vergeht. Ich bin nun schon ein viertel Jahr (!!!) hier und die nächsten Ferien rücken auch schon immer näher! Von Mitte Dezember bis Mitte Januar haben wir 4 Wochen Sommerferien. Wir wollen uns ein Auto mieten und mit zwei anderen Freiwilligen, in Durban beginnend, die Küste bis nach Kapstadt entlangfahren. Weihnachten werden wir irgendwo auf der Garden Route verbringen und Silvester feiern wir mit anderen Freiwilligen in Kapstadt, die dort eine Party organisieren!

Bis zum nächsten Mal werde ich vermutlich wieder so einiges zu erzählen haben!

Bis dann,

Marleen

Ein Kommentar

  • Robert

    Hallo Marleen,
    schön, wieder von dir zu lesen. Witzig, dass solch ein Tamtam zum Abschluss der Kindergartenzeit gemacht wird. So eine Urkunde vom Tauberrettersheimer Kindergarten hätte ich heute auch gerne. Toll, dass ihr die Big Five gesehen habt, das gehört schon zu Afrika dazu. Jetzt bald noch den Tafelberg, dann wären die touristischen Highlights „erledigt“. Silvester in Kapstadt: da wäre ich auch gerne!!
    Weiterhin alles Gute und lasse und nicht mehr so lange warten

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