Abenteuer Namibia

Bevor es für uns ab in den Urlaub ging, verbachten Janne und ich die erste der drei Ferienwochen zu Hause in Swartruggens bzw. in Borolelo.

Zu Ferienbeginn waren wir samstags auf eine Hochzeit in Borolelo eingeladen, die Nichte einer Küchenfrau aus der Saritas Creche heiratete und Janne und ich durften dabei sein. Gemeinsam mit Francinah, einer Erzieherin aus der Saritas Creche, waren wir bereits gegen 10:30 Uhr vor Ort und beobachteten das Treiben. Ein Zelt aus weißen Planen war auf der Straße aufgebaut, darunter waren zwei geschmackvoll dekorierte Tischreihen aufgebaut und ganz vorne in der Mitte stand ein Podest mit zwei gemütlichen Stühlen auf dem später das Brautpaar Platz nam.

Den ganzen Vormittag wuselte es nur so von gut gelaunten Menschen, die gemeinsam die letzten Vorbereitungen für das Fest trafen. Ein großer Part davon war es, Unmengen von Essen zu kochen , denn bei Hochzeiten wie dieser ist es üblich, allen Gästen, auch den Nichteingeladenen, Essen zu servieren. Es kommen sehr viele ungeladene Gäste, was aber nicht bedeutet, dass diese weniger willkommen sind. Und genau das hat für mich die Atmosphäre dieser Hochzeit ausgemacht: Alle haben zusammen gefeiert!

Nur ein paar wenige begleiteten das Brautpaar in die Kirche, wo die eigentliche Trauung statt fand. Janne und ich warteten mit der Mehrzahl der Leute beim Festzelt und hießen die frisch Vermählten bei deren Ankunft willkommen. Das Brautpaar wurde am anderen Ende der Straße begrüßt und dann tanzten alle zusammen mit Braut, Bräutigam und allen, die in der Kirche dabei waren, die Straße entlang bis zum Zelt, begleitet von einer Blaskapelle die schwungvolle Musik spielte. Ehe ich mich versah war ich mittendrin und es blieb mir nichts anderes übrig als mitzutanzen. Anfangs fühlte ich mich ultra komisch, weil ich keine Ahnung davon hatte, was ich gerade tat, aber nach kurzer Zeit hatte ich wirklich Spaß daran!

Das Brautpaar

Als die Hochzeitsgesellschaft beim Zelt angekommen war wurden ein paar Reden von verschiedensten Menschen gehalten und es war schwer zu folgen, da natürlich überwiegend Setswana gesprochen wurde. Wir standen mit dem Großteil der Menschen vor dem Zelt auf der Straße, da es nur eine begrenzte Anzahl an Sitzplätzen gab. Auf einmal wurden Janne und ich freundlich gebeten, doch bitte im Zelt Platz zu nehmen. Zuerst lehnten wir dankend ab, nur weil wir die einzigen Weißen bzw. Ausländer waren wollten wir keine Sonderbehandlung und fanden es unangebracht, bei Familie und Freunden im Zelt zu sitzen. Doch es wurde nicht locker gelassen also ergaben wir uns, da wir ja nicht unfreundlich sein wollten und setzten uns ins Zelt, natürlich musste es unbedingt noch die erste Reihe sein. Wir passten da einfach nicht rein, aber die Leute waren nett und nach einiger Zeit fühlten wir uns trotzdem wohl. Nach weiteren Reden und einem gemeinsamen Anstoßen mit einem Glas Sekt gab es Essen. Das Buffet war reichlich bestückt und das Essen wirklich lecker!

Um 17:00 Uhr mussten wir uns dann leider auf den Heimweg machen, da wir nicht im Dunkeln nach Hause laufen wollten. Leider verpassten wir deswegen die Red Velvet Hochzeitstorte und den Outfitwechsel der Braut. Denn nach dem weißen Brautkleid ist es Brauch, dass die Braut in ein traditionelles Kleid schlüpft, sozusagen als Symbol, dass sie in den Kreis der verheirateten Frauen aufgenommen ist.

Die Hochzeit mitzuerleben war sehr interessant und ich bin dankbar, dass wir dabei sein durften!

Am Montag trafen wir uns mit Francinah in Borolelo, um alte Klamotten aus unserem Clothes Shop im Township zu verschenken. Teilweise liegen diese Kleidungsstücke schon fast seit zehn Jahren im Office und wurden seitdem nicht verkauft, deshalb schlug Francinah vor einiger Zeit vor, etwas auszumisten und die Klamotten zu verschenken. Manchmal beeindruckt mich diese Frau wirklich sehr! Wir sind gut mit ihr befreundet und sie erzählt uns oft von ihren privaten Problemen, eine der größten Herausforderungen ist, dass ständig das Geld vorne und hinten fehlt. Und gerade sie schlägt vor, Klamotten zu verschenken, ohne sich selbst für ihre Familie ein paar Teile in die Tasche stecken zu wollen! Wir brauchten nicht lange und alles war verteilt. Die Leute haben sich richtig darüber gefreut, das war ein schönes Gefühl.

Und dann starteten wir in unseren letzten Urlaub. Auf dem Weg nach Windhoek, der Hauptstadt Namibias, fuhren wir durch Botswana. Wir durchquerten die Kalahari Wüste und zelteten zwei Nächte auf einem Campingplatz im Nirgendwo. Viel unternommen haben wir hier nicht, wir genossen es einfach, ohne Handyempfang ein wenig die Seele baumeln zu lassen.

Abends waren die Temperaturen sehr frostig. Da war ein wärmendes Lagerfeuer perfekt!

Windhoek, mit nur ca. 400.000 Einwohnern, hat nicht wirklich den Charakter einer Großstadt, geschweige denn einer Hauptstadt. Mit einem sympathischen Taxifahrer, der gewissermaßen für unseren Backpacker arbeitete, unternahmen wir eine Tour durch die Stadt wobei er uns viel über die Geschichte und über die verschiedenen Bezirke Windhoeks erzählte. Auf einem Markt im Township Katutura kosteten wir „Kapana“, über offenem Feuer gegrilltes Rindfleisch, und am Nachmittag schlenderten wir noch ein bisschen über einen Markt auf dem wir ein paar Souvenirs kauften.

Unser nächster Stopp war der Campingplatz Omandumba der sich im Erongo Nationalpark befindet. Wir waren die Einzigen hier und die Natur um uns herum war einfach wunderschön wild. Hier wäre ich gerne länger geblieben!

Omandumba

Nur ein paar Minuten vom Campingplatz entfernt befand sich ein „San Living Museum“, welches wir am Nachmittag besuchten. Das besondere an diesem „Museum“ ist, dass hier Nachfahren der ethischen Gruppe der „San“ wohnen, die ursprünglich als Jäger und Sammler im südlichen Afrika lebten. Sie erklärten uns, dass ihr richtiges Zuhause weiter nördlich in Namibia liegt und immer eine Gruppe von deren Stamm mit bis zu 30 Leuten für ca. zwei Monate hier her komme, um Besuchern das traditionelle Leben der „San“ zu zeigen.

Wir durften ihnen zuschauen, wie sie Feuer nur mithilfe von zwei Hölzern machen, wie sie aus einer Pflanze im Null komma Nichts ein Seil drehen und wie sie aus Straußeneiern Schmuck herstellen. Außerdem zeigten sie uns, wie sie Jagen bzw. Fallen für Tiere aufstellen. Das alles zu sehen war echt beeindruckend und am Ende tanzten wir zusammen mit den Frauen noch einen traditionellen Tanz. Ich habe mich gefühlt wie in einer andern Welt. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen zu stereotypisch, aber um es anschaulich zu machen: die Menschen waren genau so wie man sich eben die afrikanischen Ureinwohner von vor hunderten von Jahren vorstellt. Sie trugen nur Lederschürzen, die das nötigste bedeckten, und die Kids spielten strahlend ohne jegliche Bekleidung irgendwo draußen. Die Stimmung war insgesamt entspannt und fröhlich und deren Lebensweise zu sehen war so interessant dass ich immer noch staune, wenn ich daran zurück denke.

Die zwei sind handwerklich eindeutig begabter als ich es jemals sein werde!
Wir hatten am Anfang keinen Plan wie der Tanz eigentlich ging und versuchten nur irgendwie mitzuhalten. Aber hey, es hat trotzdem Spaß gemacht!

Am nächsten Morgen mussten wir leider feststellten, dass wir einen platten Reifen hatten. Wir hatten Glück und mussten ihn nicht selbst wechseln, da ein Arbeiter von der Rezeption des Campingplatzes uns die Arbeit abnahm. Daraufhin machten wir uns auf den Weg nach Swakopmund, mit einem Zwischenstopp bei Spitzkoppe, einem Berg in Namibia mit teilweise außergewöhnlichen Felsformationen!

Spitzkoppe

Swakopmund wurde damals als deutsche Kolonie gegründet. Es gibt noch viele deutsche Straßennamen und sogar Fußgängerzonen mit kleinen, teilweise deutschen Geschäften deren Inhaber deutsch sprechen. Irgendwie hat das alles für mich gar nicht zusammen gepasst und ich wurde für ein paar Momente lang in Gedanken nach Deutschland entführt. Eine dieser Situationen war unser Abendessen im „Brauhaus“, ja ihr habt richtig gehört. Ein deutsches Restaurant, deutschsprechender Kellner inklusive. Die Einrichtung war aus dunklem Holz, es gab einen Tresen wie man sie aus deutschen Kneipen kennt und überall hingen Flaggen und Wappen von deutschen Bundesländern und Fußballvereinen. Ich gönnte mir einen Schweinebraten mit Rotkohl und Knödeln und trank ein Erdinger Hefeweizen!

Wo bin ich denn hier gelandet…
…etwa in Deutschland???

Doch wir waren hier nicht nur einkaufen und essen. Wir waren auch noch ein bisschen aktiv…und zwar auf einem Quad. Während Sarah und Nele Sandboarden waren (ich glaube es ist vergleichbar mit Schlittenfahren, nur eben im Sand) unternahmen Janne und ich eine Quadtour in den Dünen Swakopmunds, denn die Stadt liegt direkt neben bzw. in einer Wüste. Ich bin vorher noch nie Quad gefahren und habe mich an Anfang ein bisschen dumm angestellt aber nach ein paar Minuten lief alles super und die Tour war einfach nur der hammer. Zusammen mit einem Guide schossen wir durch die Dünen und waren streckenweise bis zu 70km/h schnell!

Da Swakopmund am Meer liegt machten wir natürlich auch einen Abstecher zum Strand. Aber der Atlantik bot nicht gerade die besten Badetemperaturen…

…und ein klein wenig windig war es auch. Deswegen betrachteten wir das Meer lieber nur vom trockenen Strand aus.

Im Anschluss ging es weiter zur Sossusvlei, einen Teil der Namib Wüste, der seit 2013 Teil des UNESCO-Welterbes ist. Dort bestiegen wir die sogenannte „Düne 45“. Fazit: Auf eine Düne zu laufen macht keinen Spaß, denn so schön er auch ist, nach ein paar Metern würde man den ganzen Sand am liebsten verfluchen, denn auf ihm zu laufen ist einfach nur unglaublich nervig und anstrengend.

Düne 45

Die Wüste war beeindruckend, durch den orangenen Sand war es bei Sossusvlei sogar noch schöner als in Swakopmund. Man sollte erwarten, dass es in der Wüste heiß ist, aber wir haben das Gegenteil erlebt. Wie man auf dem Bild sehen kann war es ziemlich kalt und zusätzlich hingen die Wolken sehr tief, weshalb wir leider nicht gerade die beste Aussicht hatten.

Ein paar Kilometer weiter liegt das Deadvlei. Es ist ein von großen Dünen umschlossene, seit mehreren Jahrhunderten ausgetrocknete Senke. Ein Fluss der damals das Gebiet fruchtbar machte, änderte plötzlich seinen Flusslauf und so kam es, dass alles vertrocknete.

Deadvlei

Als nächstes fuhren wir zum Fish River Canyon, dem größten Canyon Afrikas. Die Aussicht über die Schluchten war atemberaubend schön.

Ein cooles Gruppenbild darf nicht fehlen

Und dann begann ein ganz besonderes Abenteuer für uns. Bereits mehrere Wochen im Voraus buchten wir eine Kanutour auf dem Orange River. Wir starteten am Morgen des 2.7. und kamen mittags am 5.7. wieder bei unserem Base Camp an. Jeder nam nur das nötigste mit, denn alle Sachen transportierten wir mit unserem Kanu, auch Zelt, Schlafsäcke und Isomatten. In Zweier-Kanus paddelten wir also in einer Gruppe mit insgesamt 24 Leuten begleitet von drei Guides den Orange River entlang. Einige Stromschnellen, die echt nicht ohne waren, machten uns einerseits ein bisschen das Leben schwer, aber waren andererseits pure Adrenalinspritzen die total Spaß machten, wenn man nicht kenterte (und davon sind wir zum Glück die ganze Zeit verschont geblieben!).

Unsere Nachtlager eröffneten wir einfach am Flussufer, jeder stellte sein Zelt auf und alle trafen sich abends zum Essen am Lagerfeuer.

Diese Kanufahrt war eine der schönsten Dinge, die ich je unternommen habe. Den ganzen Tag mit dem Kanu auf dem Fluss unterwegs, inmitten von sogut wie unberührter Natur, nur das wichtigste im Gepäck. Das gab mir das angenehme Gefühl von purer Freiheit, vom perfekten Sternenhimmel nachts fange ich erst gar nicht an zu schwärmen!

Auf dem Heimweg machten wir noch kurz einen Abstecher zu den Augrabies Falls und dann war unser Reise schon wieder vorbei. Die zwei Wochen vergingen wie im Flug!

Die Augrabies Falls bei Sonnenaufgang

Abschließend nutzten Janne und ich unser Mietauto noch, um für die Saritas Creche 20 neue Stühle und ein paar Bausteine für die Kinder zu kaufen. Wir haben schon seit Längerem versucht, an Stühle zu kommen, da es in der Creche davon zu wenige gibt und einige Kinder immer auf dem Boden sitzen müssen. Jetzt hat unser Vorhaben endlich geklappt!

Yippiee, da sind sie ja endlich!

Am 10.7.19, kaum zu glauben, dass das auch schon wieder drei Tage her ist, sind unsere Gasteltern Mike und Johan in die Niederlande geflogen. Johan hat dort einen Job als Rugby Trainer gefunden und hat die Möglichkeit, sich auf diesem Gebiet weiterzubilden, was ein großer Traum von ihm ist. Vielleicht werden die beiden irgendwann in der Zukunft wieder nach Südafrika zurückkehren, aber sie werden erst einmal für ein paar Jahre in den Niederlanden leben. Der Abschied war sehr traurig, da wir sehr gut mit den beiden befreundet sind und sie bisher fest zu unserem Leben hier dazugehörten. Wir werden jetzt für die letzten Wochen alleine auf dem Grundstück wohnen, was sich bis jetzt noch ziemlich ungewohnt und vor allem leer anfühlt.

Ab jetzt bin ich noch ziemlich genau einen Monat hier, dann steht die Heimreise an, an die ich im Moment noch gar nicht denken will. Mich von Südafrika zu verabschieden wird mir sehr schwer fallen.

Wer hat mir denn da meine Brille geklaut? Ich habe es noch nie erwähnt, aber die Kinder sind leider ganz verrückt danach…

Liebe Grüße,

eure Marleen:)

Ein Kommentar

  • Robert

    Hallo Marleen,
    in wenigen Tagen bist du wieder Zuhause. Eine aufregende Zeit liegt dann hinter dir, die du maximal genutzt hast.
    Ich bin gespannt wie dein nächster Blog lautet:
    Marleen-in- ??????
    Gute Heimreise,
    Robert.

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