Sommerferien – Meine Reise entlang der Küste Südafrikas

Unsere Sommerferien von Mitte Dezember bis Mitte Januar waren eine unvergessliche Zeit. Alles detailliert wiederzugeben würde wohl den Rahmen sprengen, trotzdem möchte ich die schönsten Erlebnisse und Erfahrungen hier mit euch teilen!

Unsere Route im Überblick

Am 15. Dezember ging die Reise mit unserem Mietauto los. Wir starteten vorerst zu dritt, denn Janne, Nele und ich mussten zuerst noch nach Piet Retief fahren, um die vierte Freiwillige abzuholen, die mit uns fahren würde. Wir blieben zwei Tage in Piet Retief, verbrachten ein paar schöne Stunden mit ihrem Projektpartner und ein paar Freunden. Leider mussten wir feststellen, dass wir bereits jetzt einen platten Reifen hatten! Nachdem der Reifen gewechselt war konnten wir uns am 17. Dezember aufmachen zu unserem nächsten bzw. ersten richtigen Ziel: Durban.

Das Autofahren hat riesigen Spaß gemacht. Das letzte Mal saß ich in Deutschland hinter dem Steuer und anfangs musste ich mich erst an den Linksverkehr gewöhnen, was aber leichter war als gedacht! Es kommt noch dazu, dass unser Mietauto ein Automatikwagen war, was für mich zuerst auch eine große Umstellung war, da ich bisher nur manuelle Schaltwagen gefahren bin. Ich habe mich aber rasch damit angefreundet, man muss ja so ziemlich gar nichts machen und es war sehr entspannt die langen Strecken ohne Schalten fahren zu können.

Von Durban war ich positiv überrascht! Dort angekommen gingen wir direkt an den Strand. Endlich Meer! Doch das Wetter war nicht so super und da wir wussten, dass wir in den nächsten Tagen noch weitaus schönere Strände sehen würden, gingen wir nicht richtig baden. Wir erklommen stattdessen das Moses Mabhida Stadium, ein Fußballstadion dass für die WM 2010 erbaut wurde, besuchten den Viktoria Street Market und aßen „Bunny Chow“. Kurze Info: „Bunny Chow“ hat ganz und gar nichts mit Kaninchen zu tun, auch wenn die Übersetzung ins deutsche das vielleicht vermuten lässt. Mit dem „Bunny“ ist der ausgehölte Weißbrotlaib gemeint, in welchen ein würziges Curry-Gulasch gefüllt wird, wahlweise mit Rind, Hühnchen oder vegetarisch. Da rund 20% der Bevölkerung in Durban indischer Abstammung ist, ist die Stadt sozusagen eine „Bunny Chow“-Hochburg. Das Gericht ist wirklich köstlich, wenn auch teilweise ziemlich scharf! Das Restaurant in dem wir waren hat es mit dem Würzen gut gemeint und wir hatten beim Essen wegen der Schärfe durchweg Tränen in den Augen!

Von Durban aus ging es weiter nach Coffee Bay. Auf der Fahrt dahin habe ich mich nicht wie in Südafrika gefühlt. Irland hätte eher gepasst: Überall grüne Wiesen und die Straße führte uns über wunderschöne, bergige Landschaften. Coffee Bay ist ein kleiner, armer Küstenort mit naturbelassenen, fast menschenleeren Stränden. Dort gingen wir baden und schauten uns das „Hole in the Wall“ an, welches ebenfalls an einem schönen Strand gelegen ist. An einem Abend wurde von unserem Backpacker Hostel ein „Village Dinner“ angeboten, bei dem wir ins dortige Dorf wanderten, in einem kleinem Haus typisches Xhosa-Essen kosteten und mit einigen traditionell gekleideten Frauen zu Trommelklängen und Gesang tanzten!

Hole in the Wall

Nach Coffe Bay kam Jeffreys Bay, unsere Weihnachtsresidenz sozusagen. Nach einem kleinen Schock bei der Ankunft im Backpacker Hostel (da ich es geschafft habe, den falschen Backpacker zu buchen…) renkte sich doch noch alles ein, da wir letztendlich ein Zimmer beziehen konnten, das unerwartet frei geworden war. Nochmal Glück gehabt! In Jeffreys Bay stand Surfen auf dem Programm: am 23.12. machten wir bei einem Surfkurs mit und am 24.12. übten wir mit geliehenen Brettern nochmals gut vier Stunden. Surfen ist unglaublich kräftezehrend aber macht irgendwie süchtig. Es hat einfach rießigen Spaß gemacht!

Weihnachten verbrachten wir am Strand. Wir besorgten uns Essen und kauften leckeren Nachtisch im Supermarkt. Am Strand machten wir es uns dann auf einer Decke bequem, in der Mitte eine Kerze und ein bisschen Weihnachtsmusik im Hintergrund. Die Menschen die an uns vorbeiliefen müssen wohl etwas verwirrt gewesen sein, vor allem deshalb, weil Weihnachten in Südafrika am Morgen des 25.12. gefeiert wird, und nicht am 24. Dezember. Obwohl unser Heiligabend komplett anders war als wir es sonst gewohnt sind, war es doch wirklich ein schöner Abend. Wir haben gewichtelt, so dass die Bescherung nicht ganz ausfiel, und auch ein paar Weihnachtslieder im Kerzenschein gesungen.

In Action… Natürlich hatten wir passend zu Weihnachten unsere Mützen dabei!
Heilig Abend am Strand

Am nächsten Morgen gab´s dann doch noch etwas christlichen Flair zum Weihnachtsfest 2018 dazu, denn wir besuchten einen Gottesdienst. Ursprünglich war geplant, in eine englischsprachige Kirche zu gehen, doch wir haben uns irgendwie vertan und plötzlich saßen wir ungewollt in einem Afrikaans-Gottesdienst. Dementsprechend haben wir leider nur ein paar Wortfetzen verstanden, was aber auch nur halb so schlimm war. Das Gebäude war nicht sonderlich weihnachtlich geschmückt und auch die Kleidung der Leute sah irgendwie nicht festlich aus, mag vielleicht daran liegen, dass man Sommerkleidung trug und das für mich eben nicht zu Weihnachten passt. Ein klein wenig feierlich wurde es, als wir „Oh du Fröhliche“ auf afrikaans dahin trällerten und am Ende des Gottesdienstes musste ich schmunzeln, als auf einmal ein Lied mit der Melodie von „Alle Kinder lernen lesen“ angestimmt wurde!

Am selbigen Tag ging unsere Reise weiter zu einem Backpacker in der Nähe des Tsitsikamma Nationalparks, wo ich meinen Geburtstag verbrachte. Der 26. Dezember startete mit einem Geburtstagsfrühstück, das die anderen für mich vorbereitet hatten. Ich habe mich riesig darüber gefreut! Gestärkt und motiviert machten wir uns danach auf zum Nationalpark. Es war ein sehr heißer Tag, so viel habe ich an meinem Geburtstag noch nie geschwitzt! Wir wanderten zum Storms River und beschlossen anschließend, noch eine zweite Wanderung zu einem Wasserfall in Angriff zu nehmen. Gute Entscheidung! Der Weg führte uns direkt am Wasser entlang über Felsen und teilweise über steile Trampelpfade am Berghang. Am Ende wurden wir mit einem erfrischenden Bad im Süßwasserbecken belohnt, in das der Wasserfall mündete! Der Tag im Tsitsikamma Nationalpark war sehr anstrengend aber unvergesslich und wunderschön!

Waterfall Trail

Unser nächstes Ziel war Wilderness. Dort genossen wir den wundervollen langen Strand und erkundeten bei einem kleinen Spaziergang die Küste, wo wir eine Höhle entdeckten, in der zwei Männer fortgeschrittenen Alters wohnen. Die Höhle hatte mehrere durch Tücher unterteilte „Räume“ und alles war vollgestellt und -behängt mit Muscheln, Puppen, Spiegeln, usw. Gegen eine kleine Spende durften wir dieses besondere Heim begutachten. So etwas habe ich noch nie vorher gesehen! Krass, dass die beiden dort wohnen. Am Abend bevor wir weiterfuhren wurden wir Zeuge von einem traurigen Ereignis. Ein Wal war gestrandet, vermutlich ein Buckelwal, aber ich bin da nicht so die Expertin. Die Unglückstelle war direkt unten am Strand, nicht weit entfernt von unserer Unterkunft. Mit einigen anderen Leuten gingen wir dort hin, um uns alles aus der Nähe anzuschauen. Das Tier war riesig, einfach beeindruckend! Die Küstenwache versuchte mit vereinten Kräften, den Wal wieder zurück ins Meer zu schieben, aber gegen die Wellen konnten sie nichts ausrichten, daran konnte auch die zusätzliche Hilfe von Passanten nichts ändern. Am nächsten Morgen sahen wir, das der Wal noch am Strand lag, er hat es nicht geschafft…

Als nächstes besichtigten wir die Cango Caves, ein großes Tropfsteinhöhlensystem, das zu den schönsten der Welt gezählt wird. Wir wollten die volle Ladung Nervenkitzel und machten bei der Adventure-Tour mit, bei der man so tief ins Höhlensystem eindringt, dass man teilweise krabbeln oder auf dem Bauch kriechen muss. Ich hatte anfangs schon etwas Bammel und ich muss zugeben, dass die Tour nicht ganz ohne war, aber letztendlich hat es einfach nur Spaß gemacht! An der engsten Stelle waren es vom Boden bis zur Decke nur 30cm (!!!) und es gab einen Durchgang der „Devil´s Chimney“ genannt wird (zu deutsch: Der Schornstein des Teufels), wo man eine enge Röhre aus Stein beinahe senkrecht hochklettern musste!

Achtung, es wird eng!

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Witsand, wo wir nur zum schlafen blieben, ging unsere Reise weiter zum Kap Agulhas, dem südlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents. Dort treffen der Indische und der Atlantische Ozean aufeinander.

Am südlichsten Punkt Afrikas

Am 30. Dezember kamen wir in Kapstadt an, genauer gesagt im Stadtteil Wellington, wo wir Silvester zusammen mit vielen weiteren Freiwilligen des DSJW feierten. Es wurde gegrillt und es war schon ein wenig komisch, dass wir an Silvester nicht frieren mussten. Um Mitternacht stießen wir auf das neue Jahr an, leider ohne Feuerwerk, denn das ist hier nicht so üblich. Es war eine schöne Feier und es war toll, die anderen wieder einmal zu treffen!

Happy New Year!

Vom 1.-5. Januar widmeten wir uns dann Kapstadt. Wir besuchten das Malayische Viertel Bo Kaap mit seinen bunten Fassaden und erlebten den Neujahrskarneval mit, bei dem hunderte bunt gekleidete Menschen in Fußgruppen durch die Straßen marschierten und gute Stimmung verbreiteten!

Farbexplosion im Bo Kaap!
Party in den Straßen Kapstadts!

Außerdem erklommen wir in einer mehr als vierstündigen Wanderung den Tafelberg! Wir starteten im Botanischen Garten Kirstenbosch, kraxelten die sogenannte „Skeleton Gorge“ hinauf und liefen dann einmal über den gesamten Berg zur Seilbahn, die uns wieder nach unten brachte. Die Vegetation auf dem Tafelberg und die Aussicht auf die Stadt und das Meer sind einfach wunderschön! Wir hatten großes Glück mit dem Wetter, denn der Himmel war wolkenfrei und wir hatten klare Blick!

Natürlich durfte das Kap der guten Hoffnung nicht fehlen!

Der Rückweg führte uns über Beaufort West und Kimberly, da wir die 1400km die Kapstadt und Swartruggens trennen nicht in einem Stück fahren wollten. In Kimberley besichtigten wir das „Big Hole“, das größte von menschenhand gegrabene Loch und das dazugehörige Museum, was sehr interessant war und allerlei Informationen zu Diamanten und deren Gewinnung lieferte.

Am 9. Januar waren wir zurück in der Heimat. Mit dem Auto haben wir über 5.000 km zurückgelegt und unglaublich viel gesehen und erlebt! Was mir auffiel ist, dass der Kontrast zwischen dem „touristischen“ Südafrika und dem Leben hier, vor allem in den Townships, groß ist. Die Schere zwischen arm und reich geht weit auseinander, was mir durch den Urlaub wieder einmal mehr bewusst wurde. Mir wurde noch einmal mehr vor Augen geführt, wie privilegiert ich bin!

Im Projekt erwarteten uns viele neue Kinder. Da in Südafrika im Januar das neue Schuljahr beginnt, blickten wir nach unserer Rückkehr in eine Menge unbekannte Gesichter. In Gesichter mit verheulten Augen, um ehrlich zu sein, denn wie das nun mal so ist, wollen Kinder zu Beginn ihrer Kindergartenzeit lieber zurück zu Mama! Die ersten zwei Wochen waren wir demnach hauptsächlich mit dem Trösten der Kleinen beschäftigt, so viele Tränen auf einmal! Jetzt hat sich aber alles wieder eingerenkt und der Alltag in der Creche nimmt so langsam wieder seinen Lauf

Sonnige Grüße nach Deutschland,

eure Marleen:)

4 Kommentare

  • Robert

    Hallo Marleen,
    eure Tour war sehr vielfältig. Ihr habt viel gesehen und erlebt und der geneigte Leser zieht manchmal die Augenbrauen hoch vor Staunen und Unbehagen. Junge hübsche Frauen die durch enge Höhlenlöcher kriechen, alte Männer in ihren Höhlen besuchen, durch einsame Gegenden wandern (hoch zum Tafelberg), da malt man sich aus, was hätte alles passieren können …. Aber nix ist passiert außer, dass ihr eine tolle Zeit erlebt habt! Löwenherz statt Hasenfuß! „Am 9.1. waren wir wieder zurück in der Heimat“: eine starke Aussage. – auch jetzt im Alltag weiterhin alles Gute.
    Herzliche Grüße.

  • Regi Heinkel

    Hallo Marleen,

    was für tolle Bilder (bis auf den armen Wal) ! Ich habe deinen Reisebericht mit großem Interesse gelesen. Beeindruckend, was du alles erlebst, und wie du die Zeit nutzt, dir ein vielfältiges Bild von Afrika zu machen.
    Alles Gute für „die 2. Halbzeit“. 6 Monate sind ja schon vorbei.
    Herzliche Grüße aus dem winterlichen Taubertal.

    Regi Heinkel.

    P.S. Steffen empfiehlt dir noch die traumhaften Golfplätze in Südafrika. 😉

  • Robert

    Hallo Marleen,
    nicht, dass du glaubst, niemand wartet auf deine „Geschichten aus Südafrika“. Ich würde mich freuen, wieder einmal etwas von dir zu lesen. Aber kein Stress, nur wenn du Lust und Muse hast.
    Herzliche Grüße, Robert.

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