Time to say goodbye!

Los geht´s mit meinem letzten Blogbeitrag, den ich in Südafrika schreibe.

Die vergangenen Wochen seit der Rückkehr von meinem Trip durch Namibia vergingen wie im Flug. Ein paar Highlights aus dieser Zeit möchte ich hier mit euch teilen.

Kurze Info vorweg: seit Mitte Juli ist wieder eine Classic-Freiwillige bei uns. Lisa bleibt für drei Monate hier, also auch in der Übergangszeit des Freiwilligenwechsels Mitte August. Sie ist ein super offener, humorvoller Mensch und Janne und ich verstehen uns bestens mit ihr.

Am 18. Juli war Mandela Day, kein offizieller Feiertag in Südafrika aber dennoch ein besonderer Tag im Kalender. Es handelt sich um den Geburtstag von Nelson Mandela und man feiert ihn in seinem Sinne, indem man etwas für die Gemeinschaft tut, sich für seine Mitmenschen engagiert. Zusammen mit dem „A re direng ka thata Disability Home“ in Borolelo veranstalteten wir eine Art Geburtstagsfeier für Mandela zu der fast 200 Kinder aus dem Township kamen. Wie ich es inzwischen gewohnt bin war die Organisation und die Durchführung des ganzen typisch afrikanisch: ziemlich wenig lief tatsächlich nach Plan. Ohne ein bisschen Chaos wäre es aber auch langweilig, oder?

Es gab einen Moderator, der ein bisschen durch das „Programm“ führte. Einige Leute hielten kurze Reden, Kinder, teilweise aus unseren Kindergärten, führten ein paar Tänze auf und zu unserer Überraschung kam die Organisation „Future Families“ vorbei und spendete Schuluniform-Schuhe an ein paar der Schulkinder!

Stolze Schüler mit ihren neuen Schuhen

Auch wir Freiwillige sollten uns kurz vorstellen und ein paar Worte sagen. Im Vorfeld hatte ich aus Deutschland eine großzügige Spende erhalten, mit der wir zum Einen mit Süßigkeiten befüllte Partytütchen für die Kinder und zum Anderen fünf wunderschön verzierte Kuchen für die Feier kaufen konnten! An dieser Stelle nochmals vielen herzlichen Dank an den Spender, die finanzielle Unterstützung hat den Tag zu etwas ganz Besonderem gemacht!

Fleißig am Tütchen packen!
Lecker!

Nachdem der offizielle Teil beendet und der Kuchen verspeist war, wurde die Musik laut gedreht und die Kids begannen auf der Stelle zu tanzen, was das Zeug hielt. Bei einigen Dance-Moves klappt mir immer noch die Kinnlade herunter und ich kann einfach nur über deren Körperbeherrschung und Selbstbewusstsein beim Tanzen staunen!

Am Wochenende besuchten wir eines der anderen WELTWÄRTS-Projekt in Letlhakane, das hatten wir uns schon seit Langem vorgenommen. Letkhakane ist ein kleines, sehr ländliches Dorf und der Besuch hat sich wirklich gelohnt, unter anderem, weil wir mit den zwei Freiwilligen vor Ort am Sonntag in die Kirche gingen.

Die Kirche, deren Gottesdienst wir miterlebt haben heißt „ZCC“ (Zion Christian Church). Dort gibt es einen speziellen Dresscode für Frauen, alle sollten Kopftuch und Rock tragen und außerdem eine Jacke anhaben, nur ein langarmiges Oberteil zählt nicht. Die Männer haben es da ein bisschen einfacher: die ziehen sich einfach nur schick an.

Als wir bei der Kirche ankamen (nur ein einfaches Haus aus Stein mit Wellblechdach), hatte der Gottesdienst bereits angefangen. Auf dem Vorplatz standen Frauen und Männer getrennt, in zwei Kreise aufgeteilt. Es wurde gesungen und geklatscht, es gab einen Vorsänger auf dessen Rufe alle anderen eine Antwort sangen. Bevor wir uns dazugesellen duften, kam ein Mann auf uns zu und wir mussten uns in einer Reihe aufstellen. Wir wurden von vorne und von hinten mit Wasser besprenkelt und mussten uns anschließend, während wir auf die Knie gingen, unsere Hände waschen. Dann wurden wir in den Kreis aufgenommen und nach kurzer Zeit konnte ich bereits mitsingen, da sich die Antwortgesänge immer wiederholten. Allmählich kam der Kreis der Männer herübergewandert und verschmolz mit dem der Frauen. Das Gesinge und Geklatsche war wirklich schön aber wurde mit der Zeit echt anstrengend und ich war froh, als auf einmal ein Mann in den Kreis trat, der ein Stückchen gefaltete Zeitung mit einem Streichholz anzündete, es auf dem Boden vollständig verbrenen ließ, ein paar Worte sagte und sich daraufhin alle auf ihre Plätze begeben durften.

Wir mussten etwas improvisieren…Da wir keine Röcke hatten banden wir uns einfach Tücher bzw. Handtücher um und unsere Schals funktionierten wir zu Kopftüchern um

Der Gottesdienst fand unter freiem Himmel statt, es waren lediglich ein paar Stühle aufgereiht und vorne war eine Tischreihe aufgebaut, an der ca. acht ältere Männer saßen, wer genau der Priester war konnte ich ehrlich geagt nicht ausmachen. Auch hier gab es wieder eine Frauen- und eine Männerseite, die durch einen schmalen Gang voneinander getrennt waren. Es folgten unzählige Reden und kurze Gesänge von denen wir nichts verstanden, da die ganze Messe auf Setswana war. Gegen Ende wurde auf einmal ein Blatt Papier zu uns durchgegeben, auf das wir unsere Namen schreiben sollten. Die Notiz wurde nach vorne gegeben und der Mann, der gerade am reden war wechselte plötzlich von Setswana zu Englisch und hieß und offiziell willkommen. Er hoffe, wir fühlten uns wohl obwohl wir aufgrund der Sprachbarriere nichts verstehen konnten und er betonte, dass wir alle Christen seien egal, aus welchem Teil der Welt wir stammten, wir teilen einen Glauben.

Zum Schluss ging man vor zu den älteren Männern. Jeder wurde mit einem Stück Zeitung bewedelt und bekam einen beherzten „Handschlag“ auf Schultern und Kopf. Ich kann nur sagen, der gute Herr war nicht gerade zimperlich und das empfand ich in dem Moment so komisch, dass ich mir ungewollt das Lachen verkneifen musste, die Situation war einfach zu seltsam!

Insgesamt hat der Gottesdienst fast vier Stunden gedauert. Obwohl ich kaum ein Wort verstanden habe, war der Nachmittag extrem interessant und spannend. Was mich am Meisten beeindruckt hat, ist, mit welcher Selbstverständlichkeit die Menschen hier fast ihren kompletten Sonntag mit Kirche verbringen und ich finde man konnte spüren, wie sehr sie ihren Glauben leben.

Zurück nach Borolelo. Vor einigen Tagen lackierten wir endlich die Autoreifen auf dem Spielplatz der Saritas Creche. Die Farben sehen echt schön aus! Außerdem malten wir noch die Umrandung des „Sandkastens“ mit der restlichen Farbe an.

Meine Tage in Südafrika sind gezählt. Morgen gehe ich das letzte Mal in die Mpelege Creche und am Donnerstag muss ich mich von der Saritas Creche verabschieden. Am 12.08. werde ich Swartruggens, meinem Zuhause für dieses Jahr, den Rücken kehren müssen, es folgt ein zweitägiges Endseminar und am 14.08. wird unser Flugzeug abends in Johannesburg abheben.

Dass ich in ein paar Tagen zurück in Deutschland sein werde, will noch nicht so richtig in meinem Kopf ankommen. Die Kinder zurückzulassen, die ich in den vergangenen zwölf Monaten lieben gelernt habe, mich von all den Teachern zu verabschieden und einfach so in mein „altes“ Leben in Deutschland zurückzukehren fühlt sich komisch und surreal an. Der Abschied von Südafrika wird mir schwerfallen, zu viele schöne Erinnerungen verbinde ich mit diesem Land und auch wenn ich in ein paar Jahren nochmals herkommen möchte um mein Projekt zu besuchen weiß ich, dass ich mit meinem Abflug in einigen Tagen dieses besondere Kapitel in meinem Leben schließen werde.

Liebe Grüße,

Marleen 🙂

Ein Kommentar

  • Robert

    Hallo Marleen,
    danke für deine sehr anschaulichen Berichte und Bilder mit denen du uns an deinem Aufenthalt hast teilhaben lassen. Dein Abschied wird sicher traurig!
    Herzliche Grüße,
    Robert.

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