Wer hat an der Uhr gedreht?

Hallo ihr Lieben!

Nach längerer Schreibepause melde ich mich jetzt mal wieder. Nach fünf Monaten auch höchste Zeit!

Und die Zeit ist nicht stehen geblieben. Zehn Monate von meinem FSJ sind schon ins Land gezogen, kaum zu glauben! Seit meinem letzten Beitrag ist selbstverständlich viel passiert.

Direkt nach den Sommerferien im Januar erwartete uns eine freudige Überraschung in Borolelo: Das Kgalalelo Day Care Center, Saritas Creche wie wir sie nennen, war renoviert worden! Das Department of Social Development hatte Hand angelegt, alle Räume gestrichen und neue Holztüren eingesetzt (Türen, die sich nun endlich ordentlich schließen lassen!). Außerdem wurde jetzt in allen Räumen elektrisches Licht installiert, teilweise wurde eine Zwischendecke eingesetzt und der Raum der Babys wurde gefließt. Von außen bekam die Creche auch einen neuen Anstrich, das Gebäude sieht jetzt viel einladender aus als vorher.

Mithilfe von Spendengeldern konnten wir zudem dazu beitragen, dass draußen halbierte Autoreifen in den Boden eingesetzt wurden. Auf diese Weise wurde der dürftige Spielplatz etwas vergrößert.

Im Februar fand unser Zwischenseminar auf der Inyala Game Lodge statt, wo wir auch schon unser On Arrival Seminar hatten. Das Gefühl zu wissen, dass die Hälfte des Jahres bereits um ist, war äußerst komisch und kam für einige Zeit gar nicht so richtig bei mir an. Wir verbrachten ein paar schöne, programmgefüllte Tage, hatten die Möglichkeit uns mit den anderen Freiwilligen über unsere Erlebnisse und Probleme auszutauschen und saßen abends noch lange beim Lagerfeuer zusammen.

Im Anschluss an das Zwischenseminar kamen Nathalie und Luise, die 2016/17 Freiwillige hier waren, zu Besuch. Damals bei unserem Vorbereitungsseminar in Deutschland lernten wir die beiden bereits kurz kennen und sie wiederzusehen, nachdem wir nun selbst Südafrika zu einem zu Hause gemacht hatten, war schön. Die beiden begleiteten uns einige Male nach Borolelo zur Arbeit und ich habe gerne Zeit mit ihnen verbracht. Es fühlte sich so an als würden wir uns schon lange kennen, da wir uns durch unseren Freiwilligendienst so viel zu erzählen hatten!

In den Ferien im März war ich gemeinsam mit anderen Freiwilligen nochmals unterwegs um ein paar Ecken Südafrikas kennenzulernen, die ich bisher noch nicht gesehen hatte. Mit von der Partie war unter anderem unsere neue Classic-Freiwillige Christina, die Anfang März für 3 Monate nach Swartruggens kam und mit der Janne und ich uns super gut verstanden haben. Unsere Reise führte uns zuerst in die Drakensberge, in die wunderschöne Landschaft rund um den Blyde River Canyon. Wir klapperten viele Aussichtspunkte ab, besichtigten die Bourke´s Luck Potholes und da Action nicht fehlen darf, wagten wir uns noch an eine Geckoing Tour. Zusammen mit einem Guide paddelten wir, jeder bewappnet mit einem Reifen, einen Canyon entlang, schwammen durch wilde Stromschnellen und sprangen von 5m, 6m und 9m hohen Felsvorsprüngen ins Wasser!

Bourke´s Luck Potholes

Wir haben auch einen Abstecher in den bekannten Kruger Nationalpark gemacht. Bei einem Game Drive zum Sonnenuntergang sahen wir einiges, unter anderem Hyänen und Aasgeier, Tiere, die ich vorher noch nicht zu Gesicht bekommen hatte. Der Trip in den Park war schön aber ich muss sagen, dass ich den Pilanesberg Nationalpark landschaftlich um einiges sehenswerter finde. Das Problem im Kruger ist auch, dass er zu groß ist, um wirklich den ganzen Park sehen zu können, Pilanesberg ist einfach übersichtlicher.

Abendstimmung im Kruger

Anschließend ging es für uns ins schöne Kosi Bay, nahe der Grenze zu Mozambique, an der Ostküste Südafrikas. Dort gibt es vier miteinander verbundene Seen, die am Ende ins Meer münden. Mit einem kleinen Boot unternahmen wir eine geführte Tour über diese Seen, sahen Nilpfere von Nahem und gingen an einer seichten Stelle von Bord um im Wasser zu schnorcheln. Der eigentliche Strand in Kosi Bay, der an der Mündung der Seenkette ins Meer liegt, ist wunderschön wild und fast menschenleer. Dieser Ort ist schwer zugänglich und daher nur mit allradbetriebenen Fahrzeugen zu erreichen. Da hatten wir mit unserem Toyota Corolla schlechte Karten, also machten wir um zum Strand zu gelangen eine Wanderung durch die dicht bewachsene Landschaft. Wegen der ganzen Palmen und Farne hat es sich zwischendurch angefühlt als wären wir im tiefsten Dschungel! Wir haben uns sagen lassen, dass man an einer Stelle schön schnorcheln könne, deshalb liehen wir uns beim Campingplatz Ausrüstung aus und gingen auf Unterwasser-Entdeckungstour. Das hat sich allemal gelohnt, denn wir konnten total viele bunte Fische in verschiedensten Formen und Größen sehen und die schwammen unerschrocken direkt vor unserer Nase vorbei!

Und dann kam der 11. April, ein Tag, auf den ich mich lange gefreut habe. Nach fast genau 8 Monaten habe ich meine Familie endlich wieder gesehen, denn meine Eltern und mein Bruder hatten sich aufgemacht nach Südafrika, um mich zu besuchen! Das Wiedersehen war sehr emotional und hat mich total glücklich gemacht. Auch wenn ich kein Mensch bin, der oft Heimweh hat, bedeutet das nicht, dass ich meine Liebsten zu Hause nicht vermisse. Es hat eine Weile gedauert bis ich so richtig realisiert hatte, wer da wirklich vor mir in unserem Garten in Südafrika steht.

Meiner Familie zeigen zu können wo ich arbeite und wohne hat mir viel bedeutet und auch für sie war es glaube ich interessant zu sehen, wo ich gelandet war. Für sie sind die Bilder, die ich ihnen die ganze Zeit über geschickt hatte endlich lebendig und greifbar geworden.

Zu Besuch in Borolelo

Nachdem ich meiner Familie mein Projekt gezeigt hatte, machten wir eine schöne Reise durch Südafrika. Wir starteten im Pilanesberg Nationalpark und flogen im Anschluss nach Kapstadt, um dann die Küste bis Durban entlang hinaufzufahren. Auch wenn letztendlich nicht alles so lief wie geplant, wir die eine oder andere abenteuerliche Fahrt über unbefestigte, schlammige Straßen zu meistern hatten und uns auf der Suche nach einem Platz zum Schlafen auch mal durch das verregnete, nächtliche Verkehrschaos einer südafrikanischen Stadt (Monster-Schlaglöcher inklusive) durchschlagen mussten, war der Urlaub wunderschön und ich bin dankbar für die unvergessliche Zeit mit meiner Familie!

Tsitsikamma Nationalpark

Im Mai habe ich mich an eine kleine, temporäre Typveränderung herangewagt. Von einer Freundin einer Creche-Teacherin habe ich mir Braids in die Haare flechten lassen. Insgesamt hat die ganze Frisur vier Stunden gedauert und war ganz schön schmerzhaft, da die Haarextensions ganz stramm an den Kopf geflochten werden müssen. Anfangs hat es sich echt komisch angefühlt aber eigentlich waren die Braids ziemlich praktisch: meine Haare waren für drei Wochen gestylt und ich musste sie nicht waschen!

Das war ein großer Vorteil, denn Ende Mai unternahm ich mit einigen Freiwilligen einen Trip nach Swaziland zum Bushfire Festival. Die Stimmung war super, die Musik abwechslungsreich und das ganze Wochenende ein unvergessliches Abenteuer, nicht zuletzt weil wir auf der Hinfahrt kurz vor der Grenze eine Autopanne hatten und wir nach einem Abschleppmanöver erst einmal einen ungeplanten Stopp auf einem heruntergekommenen Schrottplatz einlegen mussten. Dort, im südafrikanischen Amsterdam, machten sich vier Herrschaften an die Reparatur unseres Wagens und die Frau des Inhabers war so gastfreundlich, dass sie uns in ihr Haus einlud und uns Abendessen kochte!

Meine Braids
Wir werden abgeschleppt!
Auf dem Bushfire Festival

In Borolelo gab es letzte Woche eine schöne Überraschung. Wie aus dem Nichts tauchte plötzlich eine Frau von einer Organisation namens „Future Families“ mit einigen Arbeitern auf und baute ein neues Klettergerüst für die Creche! Sie sagte, sie sei am Tag zuvor an der Creche vorbeigefahren und dachte sich, dass sie dem Kindergarten ein Klettergerüst schenken möchte, denn man solle Kinder fördern, da sie unsere Zukunft sind. Ich war baff, denn sowas passiert hier sonst nicht. Die Kids haben sich riesig gefreut und durften direkt eine Runde spielen gehen.

Glückliche Kids auf dem neuen Klettergerüst

Ein kleines Projekt, das Janne und ich uns schon seit Längerem vorgenommen hatten, nahm diese Woche endlich Gestalt an. Bei der Rennovation wurde in der Saritas Creche leider auch eine Wand draußen übermalt, die vor einiger Zeit von anderen Freiwilligen schön bemalt worden war. Also haben wir mit Spendengeldern aus Deutschland Farbe besorgt und die äußere Wand der Creche wieder verziert, unter anderem mit allen Handabdrücken der Kinder und Erzieher!

Nächste Woche fangen die Juni/Juli-Ferien hier an, was bedeutet, dass mein letzter Urlaub ansteht. Ich werde zusammen mit drei anderen Freiwilligen Namibia erkunden und freue mich schon riesig darauf!

Liebste Grüße aus dem winterlichen Südafrika,

Marleen:)

2 Kommentare

  • Ralf und Anita Burger

    Hallo Marleen, mit großer Freude haben wir Deinen Blogeintrag gelesen. Wir denken sehr gerne an unseren Besuch bei Dir in Südafrika zurück. Unvergessliche Eindrücke in einem vielfältigen Land. für die wir sehr dankbar sind. Genieße die restliche Zeit und den anstehenden Urlaub. 🙂 Liebe Grüße von zu Hause senden Dir Deine Eltern.

  • Robert

    Hallo Marleen,
    schön, wieder von dir zu lesen! Nach wir vor erlebst du viele aufregende Dinge und deine Begeisterung klingt nicht ab.
    Herzliche Grüße und alles Gute
    Robert.

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