Zeit für die Graduation!

Endlich melde ich mich zurück! Und da ich nun wieder einen Laptop besitze kann ich ab sofort regelmäßig neue Beiträge hochladen!

Vor den Sommerferien, was zum jetzigen Zeitpunkt schon wieder eine ganze Weile her ist, fand die Graduation statt, also die offizielle Verabschiedung der Kinder aus der Creche und sozusagen die Tür zur Vorschule.

Bei der Mpelege Creche waren Janne und ich stark in die Vorbereitungen mit einbezogen. Wir schossen Fotos von allen Kindern die verabschiedet werden sollten und erstellten danach die Graduation-Zertifikate, die den Kindern am Tag der Graduation feierlich eingerahmt als Urkunde überreicht wurden. Das Zertifikat belegt, dass die unterste Bildungsstufe erfolgreich abgeschlossen wurde und dass das Kind bereit für die Vorschule ist.

Beim Fotoshooting in der Mpelege Creche

Man muss dazu sagen, dass leider nicht jedes Kind an der Graduation-Feier teilnehmen konnte. Für diesen besonderen Tag muss die Familie nämlich ganz schön blechen: Transport, Eintritt, Essen, Zertifikat und Kleidung müssen bezahlt werden, was sich nicht jeder leisten kann und was auch der Grund dafür war, dass überwiegend nur ein Elternteil, meistens die Mutter, mitkommen konnte. Die Kids, die nicht bei der Graduation dabei waren, kommen natürlich trotzdem in die Vorschule, aber ist es irgendwie schade, dass sie den Tag nicht miterleben konnten.

Das mit den Outfits der Kinder ist so eine Sache. Jedes Kind braucht ein eigenes Talargewand mit Hut und Schärpe, zusätzlich hat jeder Junge einen Anzug an und jedes Mädchen ein weißes Kleid. Bei den Mädchen kommt noch dazu, dass fast alle vorher zum Friseur gehen, um sich entweder die Haare zu färben oder um sich eine neue Flechtfrisur zaubern zu lassen. Es wird wirklich sehr viel Aufwand betrieben, dass die Kinder an diesem Tag „perfekt“ aussehen. Es war zugegebenermaßen ein echt putziger Anblick aber ich habe mich gefragt, ob es wirklich nötig ist, dafür so viel Geld auszugeben, denn die Kids werden die Klamotten danach wohl nie wieder tragen…

Hübsch gemacht!
Kleine, stolze Prinzessinnen!

Da die Graduation der Saritas Creche leider ein ziemliches Chaos war, und die andere Graduation meiner Meinung nach einfach die bessere war, berichte ich hier lieber von der Graduation der Mpelege Creche.

Morgens am 8.12.18 trafen sich alle zuerst an der Creche, von wo uns dann die Großtaxen abholten. Leider fing der Tag etwas stressig an, da fast im ganzen Kindergarten Wasser stand. Am Vortag kam in Borolelo kein Wasser aus der Leitung und es hatte wohl jemand unabsichtlich einen Wasserhahn offen gelassen… Naja und da in der Nacht das Wasser wieder funktionierte und der Wasserhahn die ganze Nacht offen stand, mussten die Erzieherinnen morgens erst einmal die Creche wieder trockenlegen, bevor wir aufbrechen konnten. Zum Glück gab es keine größeren Schäden und mit ein wenig Verspätung ging es los. Für die Graduation wurde extra ein Raum auf einer Eco Game Farm in der Umgebung gemietet, der mit blauen und weißen Tüchern geschmackvoll dekoriert war. Die Kinder, die Teacher, Janne und ich saßen in den vorderen Reihen vor der Bühne und die Mütter verteilten sich an runden Tischen weiter hinten im Raum. Die Feier begann mit einer offiziellen Begrüßung und dann startete das knapp vier-stündige Programm: Es wurden zwei kurze Theaterstücke aufgeführt, eines auf englisch und das andere auf Setswana, die Kinder führten mehrere Tänze auf, natürich alle passend im abgestimmten Outfit und es wurde eine Modenschau im Bikini veranstaltet, ja richtig gelesen, im BIKINI! Ganz am Ende nach dem Entertainement war es dann soweit und das große Umziehen konnte losgehen. Die Mütter legten an ihren Liebsten Hand an: Die Jungs schlüpften in ihre Anzüge und die Mädels zogen sich ihre weißen Kleider an, bei denen es keineswegs an Glitzer, Tüll und Rüschen fehlte. Hier und da noch ein bisschen Lippenstift von Mama, das Talargewand übergezogen und los konnte die Verleihung der Zertifikate gehen. Die Rasselbande zog vom hinteren Ende des Raums feierlich mit den ebenfalls im Talar gekleideten Teachern ein. Nach und nach wurden die Kinder dann aufgerufen auf die Bühne zu kommen, bekamen ihr Zertifikat, Glückwünsche und ein kleines Essenspaket gefüllt mit Süßigkeiten, einem Apfel und einem kleinen Saft. Bei gut 50 Kindern hat sich das alles ein wenig gezogen wie man sich vielleicht vorstellen kann. Obwohl es gegen Ende zugegebenermaßen etwas langweilig wurde, war es trotzdem schön, dass jedes Kind seinen eigenen Moment hatte.

Bereit für den traditionellen Tanz
Die Kinder geben eine Runde Paartanz zum Besten

Nachdem die Zeremonie vorbei war gab es endlich etwas zu essen. Wie gesagt, die ganze Show hat über vier Stunden gedauert und unsere Mägen haben dementsprechend ganz schön angefangen zu grummeln. Es gab Pap mit einem Salat aus Tomaten, Gurken, Bohnen und Mayo und dazu frisch gegrilltes Fleisch. Alle hauten rein was das Zeug hielt und die Kinder hatten, nachdem das Programm endlich vorüber war, ihren Spaß auf einer Hüpfburg und in einem kleinen Pool. Leider fing es kurze Zeit später wie aus allen Kübeln an zu regnen, da war der Spielspaß auch schnell wieder vorbei. Am Ende des Tages waren die Kinder sehr müde, was mich absolut nicht gewundert hat, da sogar ich den Tag anstrengend fand, obwohl ich nur Zuschauerin war!

Heimwärts ging es wieder mit den Taxen, die uns hergebracht hatten. Janne und ich hatten das Partytaxi schlechthin erwischt. Die Musik wurde so laut aufgedreht, dass mir glaube ich schier die Trommelfelle geplatzt sind und die Mütter waren nach dem ein oder anderen Bier auch bei bester Laune! Sogar die Kinder wurden von der Stimmung kurzzeitig noch einmal richtig hochgepuscht und haben getanzt und gesungen was das Zeug hielt. Die Heimfahrt war deswegen nochmal ein Highlight für sich!

Ja, das war die Graduation. Lange haben wir darauf hin gefiebert und so schnell ging sie vorbei! Es war auf jeden Fall schön, diesen Tag miterleben zu können und obwohl wir kaum etwas verstanden haben, da eigentlich alles auf Setswana gesagt wurde, hat es sich trotzdem gelohnt! Was ich besonders schön fand, war, dass sich die Teacher in der Abschlussrede an die Eltern bei uns für die Unterstützung im Kindergarten bedankt haben! Damit hatte ich gar nicht gerechnet, da ich von der Rede bis zu diesem Zeitpunkt kein bisschen verstanden hatte bis auf einmal das Wort „Germany“ fiel, unsere Namen gesagt wurden und uns die Teacherin direkt ansprach. Über diese Geste habe ich mich riesig gefreut!

In meinem nächsten Beitrag möchte ich euch von der unglaublich schönen Reise durch Südafrika erzählen, die wir in den Ferien unternommen haben.

Also bis dann,

eure Marleen!


Ein Kommentar

  • Robert

    Hallo Marleen,
    schön wieder von dir zu lesen. Das Tamtam um die Verabschiedung aus der Vorschule ist ja schon etwas befremdlich, aber ander Länder andere Sitten. Dass der formelle Teil, bis es endlich etwas zu essen gibt, so lange dauert, kommt mir von der Palux-Weihnachtsfeier gut bekannt vor.
    Herzliche Grüße, Robert.

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